Lifestyle and more, Schönheit
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Frauen, zeigt doch wieder was ihr habt! Eleganz und Schönheit!

Ich erinnere mich an unsere letzte Shopping-Tour Anfang März (vor Corona!) in Mainz, zusammen mit meinem Liebsten. Wir beide haben uns vorher, wie immer wenn wir rausgehen, zurecht gemacht. Das heißt, ich habe etwas Schönes (Culottes, rote Sneakers, rote kastige Steppjacke) angezogen. Mein Liebster hat sich ebenfalls für ein modernes Outfit, mit modischen Sneakers und coolen Jeans entschieden. Natürlich habe ich auch ein Tages-Make-Up aufgelegt und meine Haare frisiert. Normal, oder?

Was ist hier los?

Beim Shoppen durch die Stadt ist mir dann mit Erstaunen aufgefallen, dass fast alle Frauen die mir in der Fußgängerzone begegneten und ca. +- in meinem Alter waren, kaum Make-Up trugen. Nicht mal Augenbrauen waren nachgezogen und keinerlei Farbe war in den Gesichtern zu sehen. Ich muss als Beauty-Bloggerin nicht noch einmal erklären, dass man im Laufe des Älterwerdens immer mehr an Kontrast im Gesicht verliert. Die meisten Gesichter wirken ab 40 dadurch blass und unscheinbar. Das Schlimmste aber war, dass sich die meisten Frauen auch überhaupt keine Gedanken um ihr Outfit gemacht hatten. Dunkle, unförmige Funktionsjacken, schlabbrige Jeans, bequeme flache Treter und auch sonst keinerlei farbliche Details. Sie verschwanden quasi im grauen Einheitsbrei der Fußgängerzone. Viele dieser Frauen trugen riesige Funktionsrucksäcke und eilten mit gesenktem Blick durch die Stadt. Was ist hier los? Ich war etwas schockiert, und die Männer waren, nebenbei bemerkt, auch nicht viel besser gekleidet.

Es besteht ja keine Make-Up-Pflicht und jede/r so wie er gerne möchte (Selbstbestimmung und so), aber sollten wir Frauen nicht wieder mehr auf uns achten? Ich frage mich, was da los ist? Wo ist die Eleganz und Weiblichkeit geblieben? Nach der Eheschließung an den Nagel gehängt??

Manchmal juckt es mich sogar in den Fingern und würde am liebsten den Augenbrauenstift aus meinem Make-Up-Täschchen herausholen und mit dem Nachzeichnen von Wildwuchs-Augenbrauen beginnen.

Das Unwort des Jahres – Natürlichkeit

Natürlichkeit – dieses Wort hat sich in letzten Jahren in Deutschland im Denken der Frauen festgesetzt. Und es ist tatsächlich so, dass die meisten deutschen Männer „natürliche“ Frauen bevorzugen. Mein Liebster sagt auch oft, geh doch mal ungeschminkt und gaaaaanz natürlich aus dem Haus. Du brauchst doch den ganzen Kram nicht. Ich erwidere dann, dass ich mich nicht für meine Umwelt schminke, sondern für mich. Weil ich mich gepflegt fühlen möchte und nicht, als wäre ich gerade Dauerpatientin in einer Reha-Klinik.

Ihr seht, es ist ein schwieriges Thema für mich und für alle. Ziemlich hin- und hergerissen zwischen dem Dilemma – Natürlichkeit ist ok. – jede soll sich so zeigen, wie sie möchte – und andererseits, wo ist das Gefühl für Eleganz und Schönheit geblieben? Wir sind doch Frauen, liegt es nicht in unseren Genen, sich hübsch zu machen und sich zu pflegen? Ist Praktisch-und Bequem-sein die neue Devise deutscher Weiblichkeit?

Ich bin viel gereist und habe auch schon im Ausland gelebt und immer wieder bemerkt, dass gerade deutsche Frauen an Flughäfen oder als Touristin im Ausland mir leider immer wieder „unangenehm“ auffallen. Ich erkenne sie von Weitem an ihren mausgrauen Funktionsklamotten (als kämen sie gerade von der Eigernordwand zurück) und (natürlichen) ungeschminkten Gesichtern.

Und wie sieht es in anderen Ländern aus?

Wenn wir mal bei japanischen Frauen oder amerikanischen Frauen schauen, so spiegelt sich dort eine andere Welt. Tatsächlich achten wohl nirgends Frauen so sehr auf gutes Make-up wie in Japan. „Kawaii“ zu sein ist wichtig. Süß aussehen. Die Frauen in Japan benötigen morgens mindestens eine halbe Stunde für ihr Make-Up, die deutschen Frauen gerade mal fünfzehn Minuten oder weniger. Russinnen sind Weltmeisterinnen im Bad: Sie verbringen siebenunddreißig Minuten pro Tag mit Gesichtspflege und -Reinigung. Das ist fast die Hälfte mehr als im nationalen Durchschnitt.

Beispiel New York

Wer z.B. durch New York spaziert, kommt oft an mehr Nagelstudios vorbei als an Starbucks-Filialen. Die enorme Dichte dieser Salons ist ein Indikator dafür, welchen Stellenwert das äußere Erscheinungsbild für New Yorkerinnen hat.
Sich äußerlich gut zu präsentieren, heißt nach meiner Überzeugung auch, selbstbewusst aufzutreten. Besonders im Berufsleben ist es doch für eine Frau wichtig, sich gepflegt und selbstbewusst zu zeigen. Es muss nicht immer gleich der knallrote Lippenstift sein, superlange Gelnägel, Haarextensions oder ein ultrakurzer Minirock mit High Heels.

In der Schlange stehen vor dem Guggenheim-Museum. Aus der grauen Masse herausstechen, gelingt einfacher, wenn wir gut angezogen und gepflegt aussehen.

Viele Frauen bewegen sich oft berufsbedingt in einem von Männern dominierten Arbeitsumfeld, wo eine Extraportion Selbstvertrauen nicht schadet. Deshalb ist es eine gute Investition, auch einmal etwas mehr Geld für ein gutes Kostüm oder einen guten Mantel auszugeben. Wenn das Ganze dann noch mit einem schönen Make-Up unterstrichen wird, dann wirkt eine Frau wesentlich präsenter, als in der Masse unterzugehen. Sie wird wahrgenommen.

Thema praktische Funktionskleidung bäh

Literaturprofessorin und Autorin Barbara Vinken zum Boom der Outdoor-Kleidung sagt:

Eingepackt wie für eine Hochgebirgswanderung 

Seit Jahren packen sich immer mehr Großstädter in regenfeste Windbreaker ein, als ob sie im Hochgebirge wandern wollen. Das könnte auch eine Ersatzhandlung sein, sagt Vinken.“

„Zum anderen ist es aber auch natürlich in gewisser Weise auch etwas vielleicht trauriges Verständnis von Stadt oder von Zusammensein von Menschen, weil jeder tut so, oder jeder benimmt sich so ein bisschen, als wenn er gerade den Mount Everest erklimmen muss, oder als wenn er gerade im Dschungel der Großstadt sich besonders effektiv durch die Gegend schlagen muss.“

„Die Menschen würden sich mit der Kleidung gegen eine Umwelt panzern, die ihnen zu schwierig zu meistern erscheint und wie ein „einsamer Steppenwolf“ würden sie durch ein feindliches Territorium rasen, analysiert Vinken.“ Quelle.: Deutschlandfunkkultur.de

Natürlich besitze ich auch „Funktionskleidung“, aber ich trage sie nicht im Alltag. Wenn ich sie trage, dann bei einer Outdoor-Wanderung oder wenn ich bei Regen Fahrrad fahren muss.

An der See, bei starker Brise sieht man mich auch mit Northface & Co.

Die Realität – mein Fazit

Mode- und stilbewusste Frauen haben es tatsächlich schwer(er) in der Gesellschaft – das ist leider so. Ich habe es schon am eigenen Leib erfahren. Wenn ich früher besonders fashionmässig angezogen im Büro oder an der FH erschienen bin, wurde ich oft gemobbt und ausgegrenzt. So wurde mir oft Arroganz oder Oberflächlichkeit – und sogar Naivität nachgesagt. Von Professoren und Chefs wurde ich oft als Frau nicht ernst genommen. Modepüppchen, wie süß. Irgendwann habe ich ein bisschen resigniert und mich danach öfters für Jeans, Pullover und Sneakers entschieden. Daraufhin wurde ich wieder im Kollegenkreis freundlicher aufgenommen – Gleiche unter Gleichen, ich war wieder Eine von ihnen. Das ist ziemlich erschütternd, aber leider die Wahrheit. Ich glaube, so denken viele Frauen mittlerweile. Sie wollen für voll genommen werden, aber nicht auffallen, lieber unauffällig bleiben und nicht für ein oberflächliches Mode-Mäuschen gehalten werden.

Aber warum ist es so?

Ich denke, wir Frauen haben eine neue Selbstbestimmung für uns entdeckt. Wir sind freier im Denken und entscheiden frei, wie wir uns kleiden wollen – und wie nicht. Das ist auch gut so. Und ein dezenter Wohlfühl-Look mit Jeans uns Sneakers bedeutet auch nicht unbedingt die Abwesenheit von modischer Kenntnis, sondern von moderner weiblicher Selbstbestimmung. Es ist ein Spagat. Nicht immer einfach, auch für mich nicht. Ich liebe Mode und besonders gerne mag ich feminine Styles. Aber, um im Job ernst genommen zu werden, muss ich oft Kompromisse eingehen. Dann trage ich eben kein auffälliges, pinkfarbenes Rüschenkleid mit hohen Stiefeln, sondern eher ein Midi-Rock mit Booties. Ob Frauen ungeschminkt durchs Leben schreiten oder mit einem auffälligen Make-Up, ist ebenfalls ihre freie Entscheidung. Ich jedenfalls fühle mich mit einem dezenten Tages-Make-Up wohler und gepflegter.

Hin und wieder wünsche ich mir mehr Make-Up bei Frauen, aber ich hebe nicht den Zeigefinger. Es geht mir in meinem Beitrag um Selbstbewusstsein, es geht mir um die wiederentdeckte Eleganz und Weiblichkeit – und dass wir Frauen wieder zu unserer Weiblichkeit stehen sollten. Uns wieder „schick machen“, weil wir Spaß daran haben. Ich glaube, das ist es, was mir fehlt in unserer Gesellschaft. Natürlich gilt dies auch für die Männerwelt – wir wollen auch wieder schicke Männer in gut sitzenden Jeans, mit Hemd und Jackett sehen. Amen.

Wie ihr seht, ein schwieriges Thema. Wie steht ihr dazu? Schreibt mir gerne eure Meinung, ich bin gespannt.

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