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Älterwerden ist auch o.k.

Trotz aller Anstrengungen, weiß ich natürlich, dass ich nicht ewig jung bleiben kann. Dennoch habe ich immer noch Probleme mich mit dem Älterwerden anzufreunden. Geht’s euch genauso?
Doch „alt“ zu sein, kann möglicherweise auch schön sein, das dämmerte mir vor einiger Zeit, als ich mit den Freundinnen meiner Mutter  (75+) in einem Café saß und mich sehr nett unterhielt. Die Damen waren allesamt sehr schick gekleidet, trugen flottes Make-Up und waren sehr eloquent und richtig gut drauf. Die Frauen strahlten eine große Zufriedenheit und Abgeklärtheit aus und bewegten sich zugleich sehr unternehmungslustig. Ich beschloss an diesem Tag, mir diese Frauen zum Vorbild fürs Älterwerden zu nehmen. Ich würde später auf die gleiche elegante und gelassene Art in Cafés sitzen und mich mit meinen Freundinnen nett unterhalten.
Nun bin ich Ü45 und kann nicht gerade behaupten, dass mich das Älterwerden nicht nervös machen würde. Es häufen sich Gedanken über mögliche Krankheiten und eine Verwandlung in ein altes Mädchen, das nun das „Verfallsdatum“ überschritten hat. Am schlimmsten fand ich die letzten Clubbesuche in Frankfurt. Ab 40 hatte ich das Gefühl nicht mehr dazuzugehören. Ich sah überall blutjunge Menschen um mich herum und bildete mir ein, dass man mich mit mitleidsvollen Blicken anschaute. Hilfe, ich gehöre hier nicht mehr hin. Vielleicht hatte ich mir das auch eingebildet, jedoch fühlte ich mich in den Clubs nicht länger wohl. Aber wo kann ich als 45plus-Frau denn noch hingehen? Zum Seniorenbrunch oder in ein langweiliges Kabarett?

 

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In unserer westlichen Kultur wird das Älterwerden hauptsächlich als grausames Gesetz der Natur betrachtet. In Japan (ja, schon wieder Japan) ist man in diesem Punkt ganz anderer Meinung. Einmal im Jahr, am dritten Dienstag im September, wird dort der Tag der Älteren gefeiert. An diesem Tag müssen sich alle Urlaub nehmen, um Senioren zu danken, ihnen Respekt zu erweisen und sie gleichzeitig wertzuschätzen. Warum gibt es dies nicht auch bei uns, frage ich mich? In Japan gelten ältere Menschen durchweg als Quelle der Weisheit.
Ich wuchs mit vielen älteren Tanten, alten Nachbarinnen und Omis auf. Ich hörte gerne die Geschichten von früher und ich genoss schon als Kind ihre Gesellschaft in jeder Beziehung.
Trotzdem ist es nicht einfach, selbst gelassen zu altern. Warum haben wir so eine Angst vor dem Alter? Ich denke, es hängt damit zusammen, dass uns mit zunehmendem Alter unsere eigene Endlichkeit bewusst wird. Der Philosoph Joep Dohmen sagt: „Wir fürchten Verfall und Gebrechlichkeit – und vor allem den Tod. Aber alles hat eben ein Ende: das Leben, die Schönheit, die Liebe, Freundschaften, Ruhm, Geld, einfach alles.“
Ich denke, das Geheimnis liegt wirklich im Loslassen. All das loszulassen, was man im Leben nicht beherrschen kann. Denn nur so kann man wohl seine Angst überwinden. Für mich ist etwas dran an der Sichtweise. Denn solange ich nicht akzeptiere, dass ich den Prozess des Alterns nicht aufhalten kann, suche ich verzweifelt nach Gegenstrategien. Dadurch wird aber leider die Angst nur noch größer. Man kennt das: Antifaltencremes, regelmäßiger Sport, gesundes Essen, viel Schlaf, Sonnenschutzfaktor 50+ usw. Diese Strategien beruhigen mich zwar bis zu einem gewissen Punkt, aber ich ahne, dass das alles nicht hilft.

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Die Psychologin Mindy Greenstein fand in einer Studie heraus, dass es auf jeden Fall kontraproduktiv ist, sich vor dem Alter zu fürchten. Sie wertete dafür Erfahrungen eines Leseclubs von 60-90-jährigen Krebspatienten aus. Dabei stellte sie fest: Personen, die schon im mittleren Alter ein negatives und angstbeladenes Bild vom Seniorendasein hatten, litten später häufiger an ernsten chronischen Erkrankungen als Befragte, die positiv übers Alter dachten und es sogar begrüßten.
Wir müssen also unsere Ängste begraben und eine neue positive Sichtweise erlangen.
Ich habe keine Ahnung, ob ich jemals so gelassen und elegant altern kann, wie die Freundinnen meiner Mutter, aber irgendetwas verändert sich in mir mit zunehmendem Alter schon. Wie fast jeder habe auch ich einen Hang zu Angst, Scham und Selbstzweifeln. Aber ich bin längst nicht mehr so unsicher wie früher und stehe mittlerweile zu ein paar meiner schwierigen Charakterzügen (z.B. meiner Sturheit und meiner, äh leicht ausgeprägten Grobschlächtigkeit), zu meinen Makeln (schiefer Eckzahn, krauses Haar), die ich ohnehin nicht ändern kann. Ich glaube aber, dass sich mit zunehmendem Alter mein Gefühl zu mir selbst verändert – zum Positiven. Ich habe wirklich den Eindruck, dass ich immer mehr bei mir selbst ankomme und zufriedener werde. Das finde ich schön und es beruhigt mich.
Das Geheimnis lautet also: „Gut“ zu altern. Zu wissen wer man ist, mit allen Plus- und Minuspunkten und gewisse Dinge loslassen zu können! Wenn das gelingt, macht das Älterwerden tatsächlich Freude.

Ich sag’s mal mit den Worten von Coco Chanel: Eine Frau kann mit 19 entzückend sein, mit 29 hinreißend. Aber mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war.“

Also Ladies bleibt cool und weiterhin unwiderstehlich. 🙂

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