Glück
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Sag einfach mal „Nein“ !!!

Zurzeit gibt es viele Ratgeber, die einem helfen sollen, öfters mal „Nein“ zu sagen, oder geben Anweisungen, wie man sich von nervigen Freunden mit einem „Fi.. dich“ für immer verabschiedet oder wie man in Alltagssituationen auch mal „einen Scheiß muss ich“ sagen kann. Ich habe alle Ratgeber gelesen, weil mich das Thema immer mal wieder interessiert und um vielleicht neue Erkenntnisse zu erlangen. Die Bücher sind alle unterhaltsam und einige enthalten sogar hilfreiche Ratschläge, aber zum Glück bin ich bereits eine erfolgreiche „Neinsagerin“.  Und eins vorweg, „Neinsager“ sind auf der Beliebtheitsskala nicht gerade auf dem vordersten Platz!!! Aber dafür viiiiel glücklicher!

Man muss kein Holzklotz sein, oder doch?

Vielleicht schockiert es jetzt einige, aber ich bin tatsächlich ein weiblicher Holzklotz (so nennt mich mein Lebensgefährte M. – weil ich manchmal wirklich schroff sein kann, wenn ich etwas nicht möchte). Ich sage oft „Nein“, und stoße damit leider öfters an. Es macht nicht gerade beliebt im Freundeskreis, Arbeitsplatz oder bei der Familie, aber ich bin damit mit mir im Reinen. Ich verbiege mich nicht gerne und ich bin lieber mal ein egoistisches Nashorn, als ewig die „Nette“.  Nettsein ist ein Fluch? Definitiv! Das sagt zumindest auch die Psychologin Jacqui Marson. „Denn wer auch mal aneckt und seine eigenen Interessen vertritt, wird auf lange Sicht zufriedener mit seinem Leben sein.“

Fünf gute Gründe, zu denen du öfters mal Nein sagen solltest:

Nein sagen, zu Menschen, die einem nicht guttun – oder: Nicht mehr guttun! Schau in deinem Freundes- oder Bekanntenkreis einmal nach, wer dir wirklich ein gutes Gefühl gibt, besonders wenn du mit ihnen zusammen bist. Sind es Menschen, die dich stärken, denen du vertrauen kannst, die dich annehmen so wie du bist? Oder gibt es Bekannte oder Freunde, die dir Energie rauben? Die vielleicht nur von sich reden, jammern und eigentlich nur Energie saugen wollen? Es gibt auch Menschen, die einfach immer super gut drauf sind, aber keine tiefen Gespräche mit dir wollen (sog. Partyfreunde); diejenigen, die abhauen, wenn es mal ernst wird. Dann ist es vielleicht Zeit, nein zu sagen, zu Freundschaften, die nie eine richtige waren.  Man muss aber nicht gleich „fi.. dich“ sagen, finde ich.

Partyfreund oder echter Freund? Erkennt man oft daran, dass sie da sind, wenn es mal nicht so rosig ist.

Nein sagen, wenn andere dich immer wieder um etwas bitten, was du eigentlich gar nicht willst. Wenn du unsicher bist, weil du den anderen gut kennst und ihm/ihr nicht vor den Kopf stoßen willst, dann bitte ruhig um etwas Bedenkzeit. Somit musst du nicht auf der Stelle „ja“ oder „nein“ sagen. Sage einfach: „Ich muss darüber einen Moment nachdenken.“ Denn oft sagen wir vorschnell „ja“ zu etwas, weil wir uns einfach überrumpeln lassen. Und am Ende haben wir zu etwas zugesagt, was uns stundenlang unliebsame Arbeit, Nerven und vielleicht sogar Geld kostet. Fühle in dich rein, und frage dich: Was ist das genau, was soll ich tun? Möchte ich das tun? Wie viel Zeit, Kraft, Energie und Lust habe ich gerade dafür? Keine Lust dazu, dann sage einfach nein! Und zum schlechten Gewissen sagst du dann: „fi.. dich“.

Nein sagen, zum inneren Perfektionismus. Ich sage in meinem Alltag ganz oft: Ich muss dieses noch tun, ich muss noch Haare waschen, ich muss noch die Betten machen, ich muss noch bügeln, ich muss noch auf die Whatsapp-Nachricht von XY antworten, ich muss noch die E-Mail schreiben, ich muss noch kochen, Bad putzen und…und…und! In solchen Situationen ist es hilfreich, kurz Stopp zu sagen! Innehalten und spüren, welches Gefühl im Moment vorherrscht. Ist es ein diffuses Unwohlsein, ein Gefühl von Gewicht auf den Schultern, ein Gefühl von „ich kann nicht mehr“ oder fühlen wir uns überfordert? Dann ist hier der richtige Zeitpunkt um „Nein“ zu sagen. Dann bleibt die Bügelwäsche einfach liegen oder es gibt heute Toastbrot mit Scheiblettenkäse zum Abendbrot. Wir müssen nicht die perfekte Hausfrau, die perfekt gestylte Frau, oder Facebook und Whatsapp-Queen sein. Unsere Mitmenschen mögen uns viel lieber, wenn wir entspannt, innerlich zufrieden und ausgeglichen sind.

Nein sagen, zu den Erwartungen, die andere an mich stellen (sozialer Druck). Hier ein Beispiel: Mein Lebensgefährte M. fährt jedes Jahr einmal in seine Heimat, um dort mit allen Freunden und deren Partnern und Kindern ein langes Wochenende in einem großen Ferienhaus zu verbringen. Schöne Sache, wirklich! Nur leider bin ich so gar nicht der Ferienhaustyp, die gerne morgens mit vielen Freunden an einem riesigen Esstisch im Freien bei Wind und Wetter frühstückt. Und leider bin ich nicht die Frau, die gerne nachts im Pyjama über den eiskalten Flur zum Gemeinschaftsklo huscht. Ich bevorzuge Hotelzimmer mit eigenem Klo und Dusche, und ich liebe es morgens entspannt zum Frühstücksbuffet zu stolzieren. Aus Liebe und aus sozialem Erwartungsdruck bin ich zweimal mitgefahren und ich fühlte mich jedes Mal NICHT gut. Erstens, weil ich (siehe oben) nicht der Ferienhaustyp bin und zweitens, weil ich zu etwas „Ja“ gesagt hatte, was ich eigentlich gar nicht wollte. Am Ende hatte keiner von meiner Anwesenheit profitiert, erstens, mit dem Griesgram wollte keiner so recht was zu tun haben, zweitens, M. war von meiner schlechten Laune genervt, drittens, ich lag abends um 9.00 Uhr im Bett und hoffte, der Tag möge schnell zu Ende gehen. Es hatte mich danach ziemlich viel Kraft, Überwindung und schlechtes Gewissen gekostet, um „Nein“ zu sagen. Am Ende hat es sich aber gelohnt. Ich bin nun regelmäßig vier Tage im Jahr alleine und total happy mal das Alleinsein genießen zu können (Serienmarathon, Jogginghosen und Chipstüten) und M. hat kein miesepetriges Weibsbild an seiner Seite. M.s Freunde sehe ich dann an anderen Tagen im Jahr (immer portionsweise) und nicht alle auf einmal und dann mit viel Freude! 🙂

Nein sagen, zu kleinen Ungerechtigkeiten, nicht nur uns gegenüber, sondern auch bei unseren Mitmenschen. Wer zu nett ist, wehrt sich nicht, wenn sich in der Warteschlange beim Bäcker jemand vordrängt, wer zu nett ist, reklamiert nicht, wenn das Schnitzel auf der Unterseite verkohlt ist, wer zu nett ist, überlässt dem Fluggast nebenan die Sitzlehne, wer zu nett ist, backt immer eine 8-stöckige Prinzregententorte, wenn Büro/Familiengeburtstage anstehen, wer zu nett ist, gibt der Klofrau immer 50 Cent, wer zu nett ist, schaut verschämt weg, wenn eine Oma in den Bus einsteigt und keiner der kleinen Rotznasen (Schulkinder) aufsteht. Usw. usw. usw….Ich bin oft nicht nett, ich schnauze auch schon mal einen kleinen Bengel im Bus an, dass er für die Oma aufstehen soll. Ich gebe auch keine 50 Cent, wenn ich eine Klofrau sehe, weil es mich nervt, dass Deutschland immer noch eine Servicewüste ist (in anderen Ländern gehören saubere Kundentoiletten in JEDER Kaufhausetage zum Kundenservice dazu!) ok, ein Reizthema….sorry.

Warum fällt uns Nein zu sagen, oft so schwer?

Oft sind die hohen Erwartungen an uns selbst der Grund, warum wir es immer allen recht machen wollen. Frauen lernen dieses Verhalten meistens in der Kindheit, immer lieb, nett und stets hilfsbereit zu sein. Im Erwachsenenalter fällt es uns daher immer noch oft schwer für uns selbst einzustehen. Man möchte niemanden verletzen, verärgern oder enttäuschen. Wir wollen geliebt und beliebt sein.

Ich habe leider in jüngeren Jahren oft schmerzhafte Situationen erlebt, in denen ich nicht für mich einstehen konnte. Dies führte oft zu ganz schlechten Entscheidungen. Viele Menschen hielten mich früher für einen kämpferischen und selbstbewussten Menschen, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen ließ. So wirkte ich rein äußerlich. Tatsächlich aber stand ich leider nicht für MICH ein. Es war ein langer Prozess und es kostete mich einiges an Kraft und Niederlagen, bis ich wirklich bei mir angekommen war.

Es geht also immer darum, was bin ich mir selbst wert. Grenzen zu setzen, Beziehungen zu beenden (wenn sie einem nicht guttun), Freundschaften zu kündigen (wenn sie einem nicht guttun) oder eine Gefälligkeit abzulehnen ist nicht immer egoistisch – ganz im Gegenteil! Wenn man bei sich selbst ist und die eigenen Bedürfnisse wahrnimmt, dann führt dies längerfristig zu einem ausgeglichenen Selbstwertgefühl und einem gesunden und authentischen Menschen.

Also sag einfach mal öfters „Ja“ zu dir und deinen Bedürfnissen!!


Wie geht ihr mit diesem Thema um? Fällt es euch auch oft schwer „Nein“ zu sagen???


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